Physiotherapie und Gesundheitsförderung in Malawi

Auf dem Gelände des Krankenhauses in Madisi, Malawi, entstand in den vergangenen Monaten eine Physiotherapieabteilung mit angeschlossenem Fitnessstudio. Ziel des Projekts ist es, Menschen mit körperlichen Einschränkungen, nach Unfällen oder Schlaganfällen sowie Kinder mit Entwicklungsverzögerungen wohnortnah zu unterstützen und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Physiotherapie für Kinder und Erwachsene

Seit der offiziellen Einweihung durch den Weihbischof der Erzdiözese Lilongwe hat sich das Angebot weit über die Region Madisi hinaus herumgesprochen. Inzwischen kommen Patientinnen und Patienten aus zahlreichen umliegenden Dörfern zur Behandlung. Manche Familien legen dafür mehrere Stunden Fußweg zurück.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Kindern mit neurologischen Erkrankungen und Entwicklungsverzögerungen, beispielsweise infolge von Sauerstoffmangel während der Geburt. Viele der Kinder zeigen durch die regelmäßige Therapie deutliche Fortschritte in ihrer Bewegungsentwicklung, Kommunikation und Selbstständigkeit.

Auch Erwachsene nach Schlaganfällen, Unfällen oder anderen Erkrankungen erhalten gezielte physiotherapeutische Unterstützung, um verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und ihren Alltag möglichst selbstständig bewältigen zu können.

Nachhaltigkeit durch lokale Fachkräfte

Ein wichtiges Ziel des Projekts ist der Aufbau einer langfristig eigenständigen Physiotherapieversorgung in Malawi.

Seit Anfang Juni arbeitet deshalb die malawische Physiotherapeutin Etta Dineva Seite an Seite mit Larissa. Damit wurde ein bedeutender Meilenstein erreicht. Langfristig soll die Abteilung vollständig von malawischen Fachkräften getragen werden.

Die wirtschaftliche Situation des Landes erschwert dieses Vorhaben jedoch erheblich. Neue Stellen im Gesundheitswesen werden derzeit kaum staatlich finanziert. Daher wird das Gehalt von Etta derzeit durch Spenden aus Deutschland ermöglicht und von den Franziskanerinnen aus Salzkotten getragen.

Das Fitnessstudio – Prävention statt Krankheit

Ergänzend zur Physiotherapie wurde auf dem Krankenhausgelände ein Fitnessstudio eingerichtet. Die Trainingsgeräte stammen größtenteils aus Spenden aus dem Paderborner Land und werden seit Dezember täglich genutzt.

Das Fitnessstudio verfolgt ein klares Ziel: Krankheiten vorbeugen, bevor sie entstehen. Bewegung, Krafttraining und Gesundheitsbildung sollen dazu beitragen, das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil in der Bevölkerung zu stärken.

Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, wurde bereits im März Yamikani Phiri als Trainer eingestellt. Der junge Familienvater ist eigentlich Ingenieur, fand jedoch – wie viele gut ausgebildete Menschen in Malawi – keine passende Anstellung in seinem Beruf. Heute unterstützt er die Trainierenden, betreut die Geräte und übernimmt technische Reparaturen direkt vor Ort.

Mittlerweile trainieren Menschen unterschiedlichsten Alters gemeinsam im Fitnessstudio. Vom jungen Erwachsenen bis zu älteren Dorfbewohnern treffen hier Menschen mit einem gemeinsamen Ziel aufeinander: ihre Gesundheit zu verbessern.

Ein Ort der Begegnung

Das Projekt ist inzwischen weit mehr als eine Physiotherapieabteilung oder ein Fitnessstudio. Es hat sich zu einem Ort der Begegnung entwickelt.

Rund um die Kindertherapie entstand eine Gemeinschaft von Müttern, die sich gegenseitig unterstützen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam nach Lösungen für die Herausforderungen des Alltags suchen.

Auch das Fitnessstudio fördert das soziale Miteinander. Neben der Trainingshalle steht ein Billardtisch, der samstags ausschließlich den Frauen des Dorfes zur Verfügung steht. Dort wird gelacht, gesungen und gespielt. Für viele Frauen ist dieser Nachmittag eine seltene Gelegenheit, Zeit für sich selbst zu haben und soziale Kontakte zu pflegen.

Unsere Vision

Wir möchten langfristig eine nachhaltige und von malawischen Fachkräften geführte Physiotherapie- und Rehabilitationsversorgung aufbauen. Gleichzeitig soll das Fitnessstudio Menschen dabei unterstützen, ihre Gesundheit aktiv zu fördern und Krankheiten vorzubeugen.

Jede Unterstützung hilft dabei, Therapieangebote auszubauen, lokale Arbeitsplätze zu schaffen und Menschen in Malawi neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.