Nun bin ich seit einem Jahr in Malawi tätig. In dieser Zeit ist viel passiert – sowohl räumlich als auch in der Arbeit mit unseren Patientinnen und Patienten. Wir konnten bereits viele Entwicklungen anstoßen und wichtige Strukturen aufbauen, auch wenn weiterhin zahlreiche Herausforderungen bestehen.
Zwischenzeitlich habe ich meine Arbeitserlaubnis erhalten, sodass ich das Land nicht mehr regelmäßig verlassen muss. Das hat die Arbeit deutlich stabiler und planbarer gemacht.
Bisherige Entwicklungen
Ein besonderer Schwerpunkt der vergangenen Monate lag auf dem Ausbau der Physiotherapie und des Fitnessstudios. Beide Bereiche werden sehr gut angenommen und entwickeln sich stetig weiter. Gleichzeitig wächst die Nachfrage kontinuierlich, sodass die bestehenden Räume inzwischen an ihre Grenzen stoßen.
Auch im Bereich der Rehabilitation konnten erste wichtige Schritte gemacht werden. Eine Patientin aus dem Süden des Landes konnte bereits über einen längeren Zeitraum intensiv behandelt werden. Weitere Rehabilitationsaufenthalte sollen in Zukunft folgen, um Menschen aus dem ganzen Land eine gezielte Therapie zu ermöglichen.
Erweiterung der Angebote
Für die kommenden Monate und Jahre ist eine deutliche Erweiterung der Infrastruktur geplant.
Das Fitnessstudio ist aufgrund der hohen Nachfrage bereits zu klein geworden. Daher ist vorgesehen, eine weitere Halle zu renovieren und dort ein neues, erweitertes Trainingszentrum einzurichten. Dieses soll mit einem Gehpark ausgestattet werden, inklusive Gehbarren, Stufen, Treppen sowie einem barfußähnlichen Trainingsbereich zur Verbesserung von Gleichgewicht und Mobilität.
Der bisherige Trainingsraum soll im Gegenzug umgestaltet werden und künftig als kindgerechtes Zentrum für die Kinderphysiotherapie dienen. So könnten Kinder und Erwachsene räumlich getrennt behandelt werden.
Warum diese Trennung wichtig ist
Derzeit finden Kinder- und Erwachsenentherapie noch im selben Raum statt. Dies führt häufig zu Ablenkungen und erschwert eine konzentrierte Behandlung – sowohl für die Kinder als auch für Erwachsene, beispielsweise nach einem Schlaganfall.
Eine räumliche Trennung würde es ermöglichen, gezielter auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen und die Qualität der Therapie deutlich zu verbessern. Für die Umsetzung dieser Umstrukturierung sind jedoch Renovierungsarbeiten notwendig, die nur mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung realisiert werden können.
Lokales Personal und Nachhaltigkeit
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die langfristige Sicherung des Projekts durch lokales Fachpersonal. Die malawische Physiotherapeutin Etta Dineva arbeitet inzwischen eng mit mir zusammen. Ihre Stelle wird aktuell durch Spenden finanziert, da der Staat aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten derzeit keine neuen Stellen im Gesundheitswesen unterstützt.
Langfristig ist es unser Ziel, dass die Physiotherapie vollständig von malawischen Fachkräften getragen wird.
Weitere Bedarfe
Neben dem Ausbau der Therapie- und Trainingsbereiche bestehen weitere wichtige Bedürfnisse:
Im Operationssaal sind die klimatischen Bedingungen häufig extrem. Während der kühlen Jahreszeit ist es zu kalt für Patientinnen, Patienten und das medizinische Personal, in der heißen Jahreszeit hingegen zu warm für optimale Arbeitsbedingungen. Eine geeignete Klima- und Heizlösung ist daher dringend erforderlich.
Zudem möchten wir weitere Hilfsmittel für Kinder mit Behinderung anschaffen. In Malawi gibt es nur sehr begrenzte Möglichkeiten für entsprechende Versorgung. Stehstühle, Gehhilfen oder individuell angepasste Hilfsmittel könnten den Alltag vieler Kinder deutlich verbessern. Einige dieser Geräte werden lokal von Schweißern hergestellt, konnten jedoch bisher nicht ausreichend finanziert werden.
Auch der Aufbau eigener Produktionsmöglichkeiten für Rollstühle und einfache Rehabilitationshilfen gemeinsam mit lokalen Handwerkern ist ein wichtiges Zukunftsziel.
Ausblick
Die vergangenen zwölf Monate haben gezeigt, wie viel bereits möglich ist – gleichzeitig aber auch, wie groß der Bedarf weiterhin ist.
Wir möchten die Physiotherapie, die Rehabilitation und das Fitnessangebot weiter ausbauen, mehr Menschen erreichen und vor allem präventiv arbeiten, um langfristig die Gesundheit in der Bevölkerung zu stärken.
Unterstützung
Um diese Ziele zu erreichen, sind wir weiterhin auf Unterstützung angewiesen – insbesondere für den Ausbau der Räumlichkeiten, die Finanzierung von Fachpersonal sowie die Anschaffung dringend benötigter medizinischer und therapeutischer Hilfsmittel.
Jede Hilfe trägt dazu bei, die Versorgung vor Ort nachhaltig zu verbessern und Menschen neue Perspektiven zu ermöglichen.
Kommentar hinzufügen
Kommentare