Eröffnungsfeier und Segnung durch den Bischof

Veröffentlicht am 7. Juli 2026 um 22:11

Spätestens seit der feierlichen Einweihung der Physiotherapiestation und des Fitnesscenters durch den Weihbischof der Erzdiözese Lilongwe ist das Projekt weit über Madisi hinaus bekannt. In einer großen Zeremonie wurde deutlich, welche Bedeutung die neue Einrichtung für die Region hat: Hier erhalten Menschen Unterstützung, um Schmerzen zu lindern, nach Krankheiten oder Verletzungen wieder fit zu werden und ihren Alltag besser zu bewältigen.

Zahlreiche Fernseh- und Radiosender berichteten über die Eröffnung. So wurde im ganzen Land bekannt, dass in Madisi eine „Azungu“ – eine Weiße – lebt, die die Landessprache Chichewa spricht. Larissa stellte ihre Arbeit, ihre Ideen und die angebotenen Therapien sogar live im Fernsehen vor und überraschte das Publikum mit typisch malawischen Redewendungen.

Die öffentliche Aufmerksamkeit wirkte wie ein Türöffner. Inzwischen kommen Patientinnen und Patienten aus weit entfernten Dörfern zur Behandlung. Manche Mütter tragen ihre Kinder mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen zwei bis drei Stunden auf dem Rücken, um pünktlich um 7.30 Uhr zur Therapie zu erscheinen.

Eine Gemeinschaft von Müttern

Von morgens bis mittags stehen Säuglinge und Kinder im Mittelpunkt der Arbeit. Rund um die Physiotherapiestation hat sich inzwischen eine kleine Gemeinschaft von Müttern entwickelt. Sie tauschen Erfahrungen aus, unterstützen sich gegenseitig, teilen Kleidung oder Lebensmittel und machen einander Mut. Vor allem erleben sie, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind.

Viele dieser Frauen wurden von ihren Ehemännern verlassen. In Teilen der Gesellschaft gilt es noch immer als Makel, ein Kind mit Behinderung zu haben. Dabei liegen die Ursachen häufig in schwierigen Geburten: Der Weg ins Krankenhaus ist zu weit, Geld für den Transport fehlt oder ein notwendiger Kaiserschnitt kann nicht rechtzeitig durchgeführt werden.

Hinzu kommt, dass viele Frauen sehr jung Mutter werden. Manche heiraten früh, andere werden bereits als Jugendliche schwanger. Ihr Körper ist für Schwangerschaft und Geburt oft noch nicht vollständig entwickelt.

Larissa erinnert sich an ihre erste Patientin mit Zerebralparese, einer Bewegungs- und Haltungsstörung infolge einer frühkindlichen Schädigung des Gehirns:

„Das Mädchen war zwei Jahre alt. Ihre Mutter war bei der Geburt erst 14 Jahre alt. Die Großmutter des Kindes ist nur einen Tag älter als ich.“

In der Therapie lernen die Mütter, dass sie ihre Kinder nicht verstecken müssen. Menschen mit Behinderung werden in Malawi noch häufig vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Gleichzeitig stellt der Alltag auf dem Land die Familien vor enorme Herausforderungen. Feldarbeit, Wasserholen oder schwere körperliche Arbeit lassen sich nur schwer mit der Betreuung eines Kindes mit Behinderung vereinbaren. Hilfsmittel fehlen nahezu vollständig. So verbringen viele Betroffene große Teile ihres Tages isoliert zu Hause und sind auf die Unterstützung ihrer Familien angewiesen.

Erste Erfolge der Therapie

Derzeit werden bereits 15 Kinder im Alter von zwei Monaten bis elf Jahren regelmäßig betreut. Viele kommen nahezu täglich zur Therapie und verbringen den gesamten Vormittag im Krankenhaus.

Die eigentliche Behandlung dauert zwischen 45 und 90 Minuten. In der übrigen Zeit üben die Mütter selbstständig mit ihren Kindern, nutzen die Vibrationsplatte oder verschiedene Trainingsmaterialien und tauschen sich mit anderen Familien aus.

Manchmal sind bis zu acht Kinder gleichzeitig im Therapieraum. Entsprechend lebhaft geht es zu. Trotz des Trubels zeigen sich bereits deutliche Fortschritte, insbesondere bei Kindern, die während der Geburt unter Sauerstoffmangel gelitten haben.

„Seit wir mit der Physiotherapie begonnen haben, weint meine Tochter nachts nicht mehr“, berichtet die Mutter einer Dreijährigen.

Blessings, die Mutter eines zweieinhalbjährigen Jungen, erzählt: „Seit wir täglich auch zu Hause üben, kann mein Sohn plötzlich sitzen und beginnt zu sprechen.“

Auch Daniel, zehn Jahre alt, macht große Fortschritte. Mit Unterstützung kann er inzwischen einige Schritte gehen und sogar einen Ball schießen. Für ihn ist das eine große Freude, denn dauerhaft im Rollstuhl zu sitzen empfindet er oft als langweilig. Angebote für Rollstuhlfahrer gibt es kaum, und die meisten Straßen und Wege sind nicht barrierefrei.

Ein Mutter-Kind-Haus als nächstes Ziel

Ein wichtiges Zukunftsprojekt ist der Bau eines eigenen Therapiegebäudes – eines Mutter-Kind-Hauses. Es soll Raum für Therapie, Begegnung und Schutz bieten. Geplant ist außerdem ein Gehparcours, auf dem Kinder und Erwachsene verschiedene Bewegungsabläufe trainieren können.

Der aktuelle Therapieraum im Krankenhaus ist inzwischen zu klein geworden und wenig kindgerecht. Zudem werden Kinder und Erwachsene gleichzeitig behandelt, was häufig zu Unruhe und Ablenkungen führt.

Herausforderungen und Erfolge in der Erwachsenenrehabilitation

Am Nachmittag erhalten die erwachsenen Patientinnen und Patienten ihre Termine. Die meisten kommen nach Schlaganfällen oder aufgrund von Verletzungen nach Unfällen.

Die Termine werden zwar stündlich vergeben, doch Zeitmanagement funktioniert in Malawi oft anders als in Deutschland. Manche Patienten erscheinen deutlich zu spät, andere am falschen Tag oder mehrere Stunden zu früh. So kommt es nicht selten vor, dass plötzlich fünf Menschen gleichzeitig vor der Tür stehen.

Die naheliegende Lösung, verspätete Patienten wieder nach Hause zu schicken, ist jedoch schwierig. Viele sparen lange für die Fahrt ins Krankenhaus oder finden nur an bestimmten Tagen eine Begleitperson. Oft stehen sie vor weit größeren Herausforderungen als einem verpassten Termin.

Dank der Berichterstattung im Fernsehen und der Unterstützung des Bischofs konnte erstmals auch eine Rehabilitationspatientin aus dem Süden des Landes aufgenommen werden. Ihr wurde ein zweiwöchiger Therapieaufenthalt ermöglicht, der zu deutlichen Verbesserungen ihres Gesundheitszustandes führte.

Täglich erhielt sie drei Therapieeinheiten, um ihre Gelenkbeweglichkeit zu fördern, ihre Muskelkraft aufzubauen und ihre kognitiven Fähigkeiten zu stärken. Bereits nach kurzer Zeit waren bemerkenswerte Fortschritte sichtbar.

Aus medizinischer Sicht wäre eine längere Behandlung sinnvoll gewesen. Da die Familie jedoch sämtliche Kosten selbst tragen musste, waren die finanziellen Möglichkeiten nach zwei Wochen ausgeschöpft.

Gerade dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie wirksam rehabilitative Maßnahmen sein können. Unser Ziel ist es daher, langfristig finanzielle Unterstützung zu gewinnen – auch durch Spenden aus Deutschland –, damit betroffene Menschen künftig längere Therapieaufenthalte erhalten können.

Da staatliche Unterstützung weitgehend fehlt, kann das Krankenhaus diese Leistungen nicht kostenfrei anbieten. Umso wichtiger ist die Solidarität von Menschen in Deutschland und Malawi, die dazu beitragen möchten, Hoffnung, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu schenken.

Gemeinsam für die Patienten

Nicht selten bringen die Patientinnen und Patienten mehrere Angehörige mit. Für Larissa ist das durchaus hilfreich: Schwere Transfers vom Rollstuhl auf die Behandlungsliege muss sie dadurch kaum selbst durchführen – etwas, das in Deutschland kaum vorstellbar wäre.

Manche Angehörige zeigen dabei so viel Engagement und Geschick, dass Larissa sie am liebsten direkt als Physiotherapie-Assistenten einstellen würde.

Besonders eng arbeitet sie mit einer Krankenschwester zusammen, die jede freie Minute in der Physiotherapie verbringt, sofern sie nicht im Operationssaal benötigt wird. Inzwischen kennt sie viele Behandlungsabläufe, unterstützt bei komplizierten Diagnosen und hilft bei der Kommunikation mit den Patienten.

Aus der Zusammenarbeit ist längst eine enge Freundschaft entstanden. Fast jeden Abend essen die beiden gemeinsam Nsima, den traditionellen Maisbrei und zugleich das Nationalgericht Malawis.

Die Physiotherapieabteilung ist damit längst mehr geworden als ein Behandlungsraum. Sie ist ein Ort der Begegnung, der Hoffnung und neuer Perspektiven – für Kinder, Erwachsene und ihre Familien.

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