Rückblick auf mein Praktikum in Malawi

Veröffentlicht am 23. Juni 2026 um 20:10

Mit dem Ende meines Praktikums blicke ich auf sechs intensive Wochen zurück, die mich
sowohl fachlich als auch persönlich geprägt haben. In dieser Zeit durfte ich verschiedene
medizinische Fachbereiche kennenlernen – von Neurologie über Pädiatrie und
Intensivmedizin bis hin zu Verbrennungen, Onkologie, Orthopädie und Chirurgie. Jede
Station hatte ihre eigenen Herausforderungen und hat mir einen neuen Blick auf das
Gesundheitswesen in Malawi eröffnet.


Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt der Krankheitsbilder und die Kreativität, mit der
die Mitarbeitenden täglich arbeiten. Viele Entscheidungen müssen unter deutlich
eingeschränkteren Bedingungen getroffen werden als in Deutschland. Dennoch habe ich
immer wieder erlebt, wie engagiert Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte und Therapeutinnen
versuchen, für ihre Patientinnen und Patienten das Bestmögliche zu erreichen.

Vor allem die Arbeit auf der Krebs- und Verbrennungsstation hat mich nachhaltig bewegt.
Dort wurde mir bewusst, mit welchen schweren Schicksalen viele Menschen konfrontiert sind
und wie viel Stärke, Hoffnung und Lebensfreude selbst schwerkranke Kinder und Erwachsene
ausstrahlen können. Gleichzeitig habe ich gesehen, wie wichtig Aufklärung und der Zugang
zu medizinischer Versorgung sind. Nicht selten kommen Patientinnen und Patienten erst spät
ins Krankenhaus, nachdem zunächst traditionelle Heilmethoden ausprobiert wurden.

Auch die chirurgische Station hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die enorme Zahl
an Motorradunfällen zeigte deutlich, welche Herausforderungen die zunehmende Mobilität im
Land mit sich bringt. Viele der Verletzungen hätten vermutlich durch bessere
Sicherheitsstandards vermieden oder zumindest abgemildert werden können.

In der Orthopädie begegneten mir schließlich viele Krankheitsbilder, die ich bereits aus
Deutschland kannte. Gleichzeitig wurde deutlich, wie unterschiedlich physiotherapeutische
Versorgung organisiert werden kann und welchen Einfluss begrenzte Ressourcen auf den
Behandlungsalltag haben.

Neben den medizinischen Erfahrungen habe ich auch viel über Malawi selbst gelernt.
Besonders spannend waren die Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichsten
Lebensbereichen – von Dorfbewohnern über Studierende bis hin zu Führungskräften und
Mitarbeitenden staatlicher Einrichtungen. Diese Gespräche haben mir geholfen, das Land
besser zu verstehen und viele meiner eigenen Vorstellungen zu hinterfragen.

Warten auf die Arbeitserlaubnis

Mit dem Ende des Praktikums begann für mich jedoch ein weiterer, unerwarteter Abschnitt:
das Warten auf meine Berufserlaubnis und mein Work Permit.

Dafür waren mehrere Fahrten in die Stadt notwendig. Immer wieder mussten Dokumente
nachgereicht, Formulare geprüft oder neue Informationen eingeholt werden. Besonders
frustrierend war, dass meine Akte bei verschiedenen Besuchen zeitweise nicht auffindbar war.
Nach längerer Suche tauchte sie dann häufig doch wieder auf.

Ob es sich dabei lediglich um organisatorische Probleme handelte oder ob teilweise auf eine
in einigen Ländern verbreitete „Beschleunigungszahlung“ gehofft wurde, kann ich nicht
beurteilen. Sicher ist jedoch, dass solche Erfahrungen Geduld erfordern und die Abläufe
deutlich verlängern können.

Diese Wartezeit hat mir einmal mehr gezeigt, dass neben den medizinischen
Herausforderungen auch bürokratische Prozesse den Alltag vieler Menschen prägen.
Gleichzeitig gehörten auch diese Erfahrungen dazu, um das Leben und Arbeiten in Malawi
besser zu verstehen.

Mein Fazit

Mein Praktikum in Malawi war eine der spannendsten Erfahrungen meines bisherigen
Berufslebens. Es hat mir nicht nur fachlich neue Perspektiven eröffnet, sondern auch meinen
Blick auf Gesundheit, Lebensqualität und die Bedeutung medizinischer Versorgung erweitert.

Ich habe beeindruckende Menschen kennengelernt, bewegende Geschichten gehört und
Situationen erlebt, die mich noch lange begleiten werden. Malawi hat mir gezeigt, wie
unterschiedlich Gesundheitssysteme funktionieren können, aber auch, dass Engagement,
Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft oft wichtiger sind als die modernste Ausstattung.

Für all diese Erfahrungen bin ich dankbar. Sie werden mich sowohl als Physiotherapeutin als
auch als Mensch nachhaltig prägen.

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