Woche 6: Chirurgie

Veröffentlicht am 23. Juni 2026 um 20:07

Meine sechste Woche verbrachte ich in der chirurgischen Abteilung.

Wenn ich diese Woche mit wenigen Worten zusammenfassen müsste, wären es wohl:
Motorradunfall, Motorradunfall, Motorradunfall.


Gefühlt bestimmte dieses Thema den gesamten Stationsalltag. Rund 80 Prozent der
Patientinnen und Patienten waren männliche Motorradfahrer, die sich bei Unfällen teils
schwere und komplizierte Knochenbrüche zugezogen hatten. Viele Verletzungen erforderten
langwierige Behandlungen und Rehabilitation. Dennoch war für die meisten bereits klar:
Sobald es gesundheitlich möglich ist, wollen sie wieder auf das Motorrad steigen.

Die übrigen 20 Prozent der Patientinnen und Patienten bestanden überwiegend aus Frauen.
Viele von ihnen waren nicht selbst in die Unfälle verwickelt, sondern wurden als
Fußgängerinnen oder Verkehrsteilnehmerinnen von Motorrädern erfasst und verletzt. Auch
hier standen häufig Knochenbrüche und komplexe Verletzungen im Mittelpunkt der
Behandlung.

Internationale Zusammenarbeit

Beeindruckend war die internationale Zusammensetzung des medizinischen Teams. Auf der
Station arbeiteten Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Ländern gemeinsam mit ihren
malawischen Kolleginnen und Kollegen. Diese Zusammenarbeit trug wesentlich zur hohen
Qualität der Versorgung bei.

Auch der allgemeine Zustand der Stationen fiel positiv auf. Die hygienischen Standards waren
gut und die Räumlichkeiten machten insgesamt einen gepflegten Eindruck. Lediglich ein
separater Bereich für infektiöse Patientinnen und Patienten stellte eine Ausnahme dar. Dieser
Raum war stark überbelegt und verfügte über keine Fenster, was die Situation für die
Betroffenen zusätzlich erschwerte.

Die physiotherapeutische Arbeit

Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag vor allem auf der Nachbehandlung der Verletzungen.
Häufig ging es darum, die nicht betroffenen Gelenke beweglich zu halten und
Bewegungseinschränkungen vorzubeugen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil war die Anleitung der Angehörigen. Da Familienmitglieder
oft einen großen Teil der späteren Versorgung übernehmen, zeigten wir ihnen sichere
Transfertechniken, unterstützten bei Mobilisationsmaßnahmen und erklärten individuelle
Übungsprogramme für die Zeit nach der Entlassung.

Gegen Ende des Krankenhausaufenthaltes trainierten viele Patientinnen und Patienten den
Umgang mit Unterarmgehstützen. In einigen Fällen übten wir auch das Fahren mit einem
Rollstuhl.

Dabei zeigte sich jedoch ein grundlegendes Problem: Viele Menschen können sich einen
Rollstuhl schlicht nicht leisten. Während medizinische Behandlungen und Operationen in
dieser Einrichtung kostenlos angeboten werden, müssen Hilfsmittel häufig selbst finanziert
werden. Dadurch bleibt der Zugang zu wichtigen Unterstützungsangeboten für viele
eingeschränkt.

Eine besondere Beobachtung

Bemerkenswert fand ich, dass nicht nur die medizinische Behandlung und die Operationen
kostenfrei angeboten wurden. Auch die Verpflegung der Patientinnen und Patienten wurde
vollständig vom Krankenhaus übernommen.

Das mag selbstverständlich klingen, ist in Malawi jedoch keineswegs überall der Fall. In
vielen Krankenhäusern müssen Angehörige Essen von zu Hause mitbringen oder die
Versorgung selbst organisieren. Dass hier täglich Mahlzeiten bereitgestellt wurden, stellte
daher einen wichtigen Beitrag zur Patientenversorgung dar.

Mein Fazit

Meine letzte Praktikumswoche war geprägt von schweren Unfallverletzungen, engagierter
Teamarbeit und vielen Einblicken in die chirurgische Versorgung Malawis. Besonders
eindrücklich war für mich die enorme Anzahl an Motorradunfällen und die weitreichenden
Folgen, die diese für die Betroffenen und ihre Familien haben.

Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel durch ein gut organisiertes Gesundheitssystem erreicht
werden kann. Kostenlose Operationen, medizinische Versorgung und Verpflegung sind keine
Selbstverständlichkeit und machen für viele Menschen einen entscheidenden Unterschied.

Mit dieser letzten Station endete mein Praktikum – und damit eine Zeit voller neuer
Erfahrungen, Herausforderungen und Begegnungen, die mich sowohl fachlich als auch
persönlich bereichert haben.

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.