Woche 5: Orthopädie und Muskel-Skelett- System

Veröffentlicht am 23. Juni 2026 um 20:03

Meine fünfte Woche verbrachte ich in der Abteilung für Orthopädie und Muskel-Skelett-
Erkrankungen.


Endlich war ich in meinem Fachgebiet angekommen. Nach mehreren Wochen auf Stationen,
die für mich völlig neu waren, fühlte sich dieser Einsatz fast wie ein Stück Heimat an.

Schon der erste Eindruck war besonders. Nach meiner Ankunft ging es mit einem modernen
Aufzug in den Keller des Gebäudes, wo ich meine Arbeitskleidung für die kommenden zwei
Wochen erhielt. Der Unterschied war bemerkenswert: Mit normaler Kleidung hinein, mit
professioneller Krankenhauskleidung wieder hinaus. Für einen Moment fühlte ich mich
tatsächlich wie eine Figur aus einer Krankenhausserie.

Die Abteilung befindet sich im sogenannten „LION's“-Gebäude, das einen modernen
Eindruck vermittelt. Besonders auffällig war der Einfluss norwegischer Unterstützung, die an
vielen Stellen sichtbar wurde.

Zurück bei den „Klassikern“

Auf dieser Station begegneten mir viele Krankheitsbilder, die ich bereits aus Deutschland
kannte. Rückenschmerzen, Beckenschiefstände, Ischiasbeschwerden, Knieprobleme oder
Kopfschmerzen gehörten zum Alltag. Gelegentlich wurden auch Patientinnen und Patienten
behandelt, die beispielsweise in Indien eine Knie- oder Hüftprothese erhalten hatten.
In vielerlei Hinsicht erinnerte mich die Arbeit an meine Zeit bei den Stoppelkamps.
Gleichzeitig gab es jedoch deutliche Unterschiede in der Organisation der Therapie.
Mein Eindruck war, dass der Fokus hier stärker auf einer hohen Anzahl behandelter
Patientinnen und Patienten lag. Teilweise mussten innerhalb von nur 20 Minuten bis zu drei
Personen gleichzeitig betreut werden. Für mich als Physiotherapeutin ist eine individuelle
Behandlung jedoch ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Therapie, weshalb diese
Arbeitsweise für mich zunächst ungewohnt war.
Besonders überrascht hat mich, dass viele Patientinnen und Patienten – unabhängig von ihrer
eigentlichen Diagnose – ein sehr ähnliches Therapieprogramm erhielten. Dieses bestand
häufig aus:

  • fünf Minuten Wärmeanwendung,
  • Übungen in Bauchlage in die „Cobra“ übend,
  • Übungen in Rückenlage mit Beinhebungen,
  • Brücke bauen
  • sowie zehn Minuten selbstständigem Training auf dem Fahrradergometer.

Dabei fiel mir auf, dass die Ergebnisse sehr unterschiedlich waren. Manche Patientinnen und
Patienten berichteten von einer Besserung, andere verspürten keine Veränderung oder sogar
eine Zunahme ihrer Beschwerden.

Für Selbstzahler kostete eine Behandlung umgerechnet etwa 13 Euro. Sie konnten die
Angebote beliebig häufig nutzen. Menschen ohne entsprechende finanzielle Möglichkeiten
hatten hingegen oft nur die Chance, etwa einmal monatlich eine kostenlose Behandlung in
Anspruch zu nehmen.

Es war bemerkenswert zu sehen, dass die Abteilung trotz dieser Rahmenbedingungen sehr gut
besucht war. Viele Menschen kamen mit großer Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer
Beschwerden.


Spannende Begegnungen

Besonders interessant waren die Gespräche mit den Menschen, die diese Einrichtung nutzten.
Im Vergleich zu den Patientinnen und Patienten aus den ländlichen Regionen, die ich zuvor
kennengelernt hatte, begegnete ich hier häufig Personen aus urbaneren und wirtschaftlich
besser gestellten Verhältnissen.

Unter ihnen waren Führungskräfte, Manager, Mitarbeitende staatlicher Institutionen und
andere Menschen mit verantwortungsvollen Positionen. Die Gespräche unterschieden sich
deutlich von denen, die ich bisher in den Dörfern geführt hatte. Themen wie Politik,
Wirtschaft, Bildung und die Entwicklung Malawis standen häufiger im Mittelpunkt.

Dadurch erhielt ich spannende Einblicke in die Perspektiven jener Menschen, die das Land
auf unterschiedlichen Ebenen mitgestalten. Diese Begegnungen haben mein Verständnis für
Malawi und seine gesellschaftlichen Unterschiede erweitert.


Mein Fazit

Die Woche in der Orthopädie war für mich in vielerlei Hinsicht besonders. Einerseits war es
angenehm, wieder in einem Fachbereich zu arbeiten, den ich aus Deutschland gut kenne.
Andererseits zeigte sich auch hier, wie unterschiedlich Gesundheitsversorgung je nach
Rahmenbedingungen organisiert werden kann.

Das Gebäude und die Infrastruktur hinterließen einen modernen Eindruck. Gleichzeitig wurde
mir bewusst, dass wir in Madisi dank unseres Containers in manchen Bereichen sogar über
mehr therapeutisches Equipment verfügen als diese große Einrichtung.

So hat mir auch diese Woche erneut gezeigt, dass moderne Gebäude allein noch keine
optimale Versorgung garantieren. Entscheidend bleiben die verfügbaren Ressourcen, die
individuellen Behandlungsmöglichkeiten und vor allem die Menschen, die täglich ihr Bestes
geben.

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